
Bravo!- Du hat geschafft, was nicht jede Jugendzeitschrift von sich behaupten kann: Seit einigen Generationen begleitest Du Kids beim Erwachsenwerden, sprichst Themen an, die Jugendliche seit jeher interessieren. Eine Konstante in unserer schnelllebigen Zeit, die erfolgreich überdauert hat und nicht wie vieles Andere dem Vergessen anheim gefallen ist; ein Ankerpunkt aus meiner Jugendzeit.
Der 26. August 1956 sollte der Tag sein, der die Welt auf dem Zeitschriftensektor für immer verändern sollte: Du wurdest erstmals an deutschen Kiosken zum Verkauf angeboten. Damals kamst Du noch in anderem Gewand daher, das Layout schlichter, als „Magazin für Film und Fernsehen“ für Teenager, die damals auch im üblichen Jargon als „Backfische“ (Mädchen) oder „Halbstarke“ (meistens aufrührerische Jungs) bezeichnet wurden, konzipiert. Nun konnte endlich der Glamour Hollywoods Einzug in westdeutsche Jugendzimmer halten.
Ab 1959 beschertest Du Deiner Leserschaft dann auch die Geburtsstunde des „Starschnitts“, eine lebensgroße Brigitte Bardot und Dir selbst eine Auflage von 523.000 Stück.
Doch neben dem Filmgeschäft sollte auch die Musik nicht zu kurz kommen, vorzugsweise berichtetest Du über die Welt des deutschen Schlagers in den fünfziger Jahren mit ihren bekannten Vertretern wie Freddy Quinn & Co..
Die sexuelle Revolution der 60-iger Jahre ging auch an Dir nicht spurlos vorüber. 1962 war es schließlich soweit: zum Entsetzen vieler Eltern, mancher Pädagogen und der Kirche konnten viele begeisterter Teenager im „Knigge für Verliebte“ die erste, aber noch etwas zaghafte Aufklärungsserie in der „BRAVO“ miterleben.
Endlich aber 1969 wurde das versteckte Verlangen der Teenies nach Aufklärung und Informationen in sexuellen Fragen befriedigt- das „Dr. Sommer Team“ wurde ins Leben gerufen. Somit konntest Du Dir ein weiteres Standbein schaffen, die „Frage und Antwort Seite“ wurde wohl bei vielen Deiner Leser als erste aufgeschlagen, nachdem sie Dich oft heimlich am Kiosk erworben hatten.
So konntest Du in Sachen „Liebe, Sex und Zärtlichkeit“ zum wichtigsten öffentlichen Ansprechpartner werden; die rund 400 Briefe pro Woche, die das Beraterteam erreichten, sprachen für sich.
Doch die 60-iger Jahre hatten auch musikalisch so Einiges zu bieten und Du reagiertest stets richtig auf Trends, nachdem Du Dich weg vom Filmgeschäft immer mehr auf die Musik konzentriertest. Als Du dann noch im Jahre 1966 die Konzerte für die erste Beatles- Deutschlandtournee veranstaltetest, war eine riesengroße Sensation perfekt.
Mitte der siebziger Jahre dann, regten Titelseiten, wie sie in ihrem bunten, mit Stars, Stickern und Schlagzeilen bepackten Layout auch noch heutzutage bei Dir zu finden sind, viele Jugendlichen zum Kauf an.
Das erste Mal konntest Du in diesen Jahren die Schallgrenze von einer Million verkaufter Exemplare überwinden.
Die 70-iger Jahre sind aber auch ein Jahrzehnt, in dem sich die Popmusik immer mehr in Subszenen aufsplitterte, denken wir an Glam Rock mit wichtigen Vertretern wie „The Slade“, „David Bowie“.., Hardrock wie „Kiss“…, die damalige Rivalität zwischen den „Bay City Rollers“ und „The Sweet“, Disco ( „Boney M.“, „Bee Gees“ mit Saturday Night Fever, „Village People“… ) und dem aufkeimenden Punk, wie den „Sex Pistols“ , die bei Dir 1977 erst einmal auf kritische Irritation stießen.
Deine breit gefächerte Berichterstattung über viele Größen des Musikbiz konnte somit eine stattliche Anzahl an Fans verschiedener Musikgruppen und –richtungen ansprechen, was wiederum zu Deiner Popolarität beitrug.
Ich selbst durfte Deine absolute Blütezeit Ende der siebziger- und vor allen Dingen in den achtziger Jahren mit den absatzstärksten Auflagen miterleben.
Ich hatte niemandem in meinem Freundeskreis, der nicht der BRAVO als äußerst interessante Lektüre den Vorzug gegenüber anderen Printmedien gab und Dich meist ohne Wissen der Eltern kaufte. Versteckt dann vor den Augen der Erwachsenen vertieften wir uns in die Seiten mit den Ratschlägen vom Dr. Sommer Team und Dr. Alexander Korff, der für die ganz speziellen sexuellen Fragen zuständig war. Oftmals wurden Dinge beantwortet, die wir Kids damals niemanden zu fragen gewagt hätten, auch wenn der Sexualkundeunterricht in dieser Zeit schon längst Bestandteil des Lehrplans an Schulen war. So differenziert, anschaulich, offen und unverkrampft hätte wohl kein Lehrer an Schulen diesen Stoff vermitteln können. Man könnte sogar sagen, dass eine ganze Generation von Dir aufgeklärt wurde. Zwischen 3000 und 5000 Briefen wissensdurstiger Teenies gingen wöchentlich in dieser Zeit bei der Reaktion ein, die Fragen an das Dr.Sommer-Team hatten.
Als Teenager mit einem sehr geringen Taschengeld bedacht, war ich zwangsläufig eine Gelegenheitskäuferin von Dir, was dazu führte, dass ich es leider nie zu einem kompletten Starschnitt schaffte. Als Trost dienten mir dann die Poster von allen möglichen Prominenten, die ich in sämtlichen Ausgaben von Dir finden konnte. So manches Konterfei meiner bevorzugten Lieblinge gelang es, einen Platz über meinem Bett und als Dreingabe ein allabendliches „Gute Nacht“ von mir zu bekommen.
Nur zu gut kann ich mich an ein Poster von Tommi Ohrner erinnern, den ich als Zwölfjährige als „verflixt gut aussehend“ befand, und somit bei mir einen Ehrenplatz bekam. So konnte ich stets in seine braunen Augen blicken und meinen Mädchenträumen nachhängen.
Aber auch die Fotostorys verfolgte ich mit Interesse und bewunderte den “Mut“ mancher Protagonisten, sich in den für die Geschichte erforderlichen Situationen, die ich manchmal als Pubertierende als sehr gewagt empfand, ablichten zu lassen. Die Storys an sich weckten bei vielen Jugendlichen teilweise eine gewisse Sehnsucht, klärten aber auch auf und warnten in Szene gesetzt vor verschiedenen Gefahren in Liebesdingen z.B. vor ungewollten Schwangerschaften bei Minderjährigen.
Da ich seit jeher eine große Affinität zur Musik spüre und auch lebe, richtete sich mein Blick natürlich auch auf all` Deine Berichte über das Musik- und Showbiz, die zwar nicht in musikwissenschaftlichem Sinne arrangiert waren, was auch Deine Zielgruppe verfehlt hätte, aber doch immer auf fesselnde und interessante Weise uns Jugendliche mit Hintergrundinformationen, Interviews und Trends fütterte.
So waren die 80-iger Jahre ein Jahrzehnt, in dem es an Superstars nicht mangelte, ein reicher Pool, aus dem Du schöpfen konntest. Michael Jackson, Nena, Modern Talking, Tina Turner, The Police, Madonna, U2…sind nur einige Namen, die damals und teilweise auch noch heute am Firmament des „Starhimmels“ leuchten.
Nicht zu vergessen die seit 1957 jährliche stattfindende „BRAVO- Otto“ Verleihung, ein Preis, den Deine Leser durch Abstimmung für ihre Lieblinsstars ermitteln. Überreicht wird er den Preisträgern innerhalb der BRAVO Supershow, die seit 1994 auch auf diversen privaten Fernsehkanälen übertragen wird. Den BRAVO- Otto gibt es in Gold, Silber, Bronze und als besondere Auszeichnung in Platin, den aber bis jetzt nur Michael Jackson, die Bee Gees, Take That, Thomas Gottschalk und Dieter Bohlen erhielten.
Angezogen und fasziniert von dem ganzen Glamour des Showbuisness beschloss ich eines Tages in meinem Enthusiasmus, ich war wohl so an die fünfzehn Jahre alt, zu meinem Olymp- es war das Redaktionshaus der „BRAVO“ in München, zu pilgern. Ich wollte unbedingt einmal hinter die Kulissen blicken, die Gesichter der „Götter“ erblicken, die Dir wöchentlich neues Leben einhauchen, wollte eventuell irgendeinem Star begegnen, der sich vielleicht gerade zufällig in dem Gebäude aufhalten hätte können. Doch als ich dann schließlich vor dem Haus stand, auf dem mit großen Lettern „BRAVO“ prangte, verließ mich dann doch der Mut einzutreten, und nachdem ich wohl eine Stunde davor herumlungerte, kehrte ich unverrichteter Dinge wieder nach Hause zurück.
Andere Teenager waren an dieser Stelle wohl mutiger als ich, denn man konnte in den Redaktionsräumen immer Besucher antreffen, die „backstage“ die BRAVO -Mitarbeiter kennen lernen wollten. Sogar jugendliche Ausreißer fanden schon im Redaktionssitz einen Zufluchtsort. Mitarbeiter Deines Blattes kümmerten sich stets rührend um die jungen Verzweifelten und reagierten in adäquater Weise, indem sie die Eltern informierten und die Fürsorgepflicht den Kindern gegenüber in jeglicher Hinsicht voll erfüllten. Sogar die Kosten für Rückreise- und Verpflegung für die jungen Ausreißer wurde von der Redaktion jeweils übernommen.
Im Laufe der Zeit hast Du, liebe BRAVO, reichlich Nachwuchs erfahren: BRAVO Girl, BRAVO Hip Hop Special, BRAVO Poster, BRAVO Foto Love Story, Yeah!, Twist…maßgeschneidert für jede Lesergruppe und individuell. Du hattest sogar mit „BRAVO TV“ von 1985 bis 2007 eine eigene Fernsehsendung, seit 1992 können sich Fans regelmäßig auf die Musik-CD- Compilation „BRAVO- Hits“ mit aktuellen Chart- Hits freuen.
Doch auch im Internet bist Du mit verschiedenen Portalen vertreten, wie es sich für ein modernes Medium gehört.
Du bist stets mit der Zeit gegangen- und die Kids haben es Dir über Generationen hin gedankt.
Danke für alles, liebe BRAVO!
Petra Pan
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